»In unserem heutigen Lebensraum, welcher sich durch die algorhytmischen Revolution verändert, agieren digitale Schnittstellen mit unserer angelegten Information medial öffentlich und verorten uns durch abgelegte und gespeicherte Landmarken. Wir erzählen von einer selbst geschaffenen Identität und bieten ein öffentliches Bild unserer Selbst, welches nur mit angewandtem Wissen und Gewissen zu schützen ist. Individuelle Fragmente wie Posts, Bilder und Filme schaffen in einem Interkontext artifiziell scheinende Habitats, welche Abbild unserer physischen Realität in der Digitalen Big Data Exposition formulieren.

Selbstreflektion nimmt in einer solch transzendierten Welt einen zeitgeistigen Stellenwert in Wahrnehmung und Darstellung von Persönlichkeit sowie Eigen- wie Fremdwahrnehmung ein. Ein physisches wie transzendiertes Ich. Denken verändert sich in Form und Schnelligkeit.

Alles ist verfügbar, vieles verwendbar und im eigenen Sinne zu nutzen, zu benutzen, zu verschwenden und zu verfälschen. Wahrnehmungszerstreuung und hat bedeutende Auswirkung auf den erlebbaren und dehnbar linearen Begriff »Zeit«.

Durchschnittlich verbringt ein Mensch an einem Tag seines Lebens 7 Stunden in der Interaktion mit digitalen Medien die wenig physische Körperlichkeit erfordern ( Quelle INMOBI Feb 2012 ), sondern bewusst oder lethargisch einer Art geistiger Anregung oder Stasis folgen. Das Selbst äußert sich in einer mehr oder minder privaten wie allgemeinen Öffentlichkeit und fügt Bezüge zu einer neuen digitalen Kopie unserer Realität hinzu. 

Ist diese Antikörperlichkeit eine Form evolutionärer Entwicklung? Digitalisieren wir unseren natürlichen Lebensraum als Metasapiens hin zu einem artifiziellen Lebensraum der technologischen Singularität? Nimmt die natürliche Evolution dieses Ressort für sich selbst ein und integriert uns als einen minder relevanten Teil des Ganzen? Welche Rolle spielen wir in diesem Kreislauf der Entwicklung und wie nehmen wir uns selbst heute wahr?«

Marc Engenhart im Gespräch über die Rauminstallation »Mit dem BIN hat sich die Sache erst einmal erledigt«, Stuttgart im Feburar 2017